Das Projekt NONkONFORM hat mich zwischen 1991 und 2001 – mehr oder weniger intensiv – über zehn Jahre beschäftigt. Neben den beiden Büchern entstand in dieser Zeit auch eine Reihe von Gelegenheitsarbeiten: Neben journalistischen Beiträgen für verschiedene Medien auch Referate, Interviews und Zwischenberichte für Stadt und Kanton Bern, die meine Arbeit mit Werkbeiträgen finanziell unterstützt haben.
Ich dokumentiere diese Arbeiten hier, weil sie die Darstellungen in den Büchern teils ergänzen und erweitern, teils ihr kulturgeschichtliches Umfeld ausleuchten, teils aber auch aufzeigen, was zu Beginn geplant war und wie sich das Projekt mit der Arbeit verändert hat. Vom Schreibmethodischen her hatte ich den Anspruch, als journalistischer Quereinsteiger, Nichtakademiker und als einer, der es sich verbittet, mit einem Literaten verwechselt zu werden, eine Expedition zu unternehmen in das «Bermuda-Dreieck zwischen Journalismus, Geschichtsschreibung und Literatur» (Bund, 24.4.2001).
In einem theoretischen Sinn ging es mir um eine Antwort auf meine Frage, was es dazu brauche, dass Subkultur Wirkung entfalten könne. Ich habe fünf Bestimmungen gefunden, die ich als «Prozess», «Identität und Botschaft», «Gegenöffentlichkeit», «Organisation» und «Ökonomie» gefasst und definiert habe (Hansdampf [Hrsg.] 1998, 20). Eigentlich denke ich bis heute: Diese fünf Bestimmungen haben etwas für sich.
Und bis heute – ja sogar: heute erst recht – finde ich es bemerkenswert, dass Subkultur als Prozess mit einem Anfang und einem Ende grössere Wirkungen zu entfalten vermag als jedes noch so bedeutende Kunstwerk, das trotz allem nichts sein kann als das, was es ist: ein Produkt ohne Gebrauchswert (Kunstautonomie!) in der «ungeheuren Warensammlung» (Marx), die den Reichtum der hiesigen Gesellschaft ausmacht. So habe ich aus dem Projekt NONkONFORM nicht zuletzt gelernt: Was nichts ist als sich selbst, ist nichts, was über sich hinaus etwas bedeutet.
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Am 4. Mai 1991 fand im Restaurant Neubrück in Bern eine Gedenkveranstaltung für den am 6. Februar zuvor verstorbenen Gammlerpoeten René E. Mueller statt. Zusammen mit Beat Sterchi habe ich diese Veranstaltung besucht. Bei der Rückfahrt in die Stadt haben wir im Bus darüber gesprochen, dass Mueller und seine Welt eigentlich nicht spurlos untergehen sollten. Die Feststellung wurde zur Ausgangsidee des Projekts NONkONFORM.
Unter anderem über diese Gedenkveranstaltung hat Alfred Minder/Videolink die DVD-Dokumentation «Erinnerung und Abschied. René E. Mueller 3.5.1929-6.2.1991» produziert. Ich danke Minder, dass ich die Dokumentation an dieser Stelle zugänglich machen darf.
• Zum NONkONFORM-Register Personen
• Zum NONkONFORM-Register Stichworte
• Zum NONkONFORM-Register Chronologie
• Brief an die Abteilung Kulturelles der Stadt Bern, 28.7.1991.
• Gesuch für einen Werkbeitrag, 22.9.1991.
• 1. Zwischenbericht Projekt NONkONFORM I, 25.10.1992.
• 2. Zwischenbericht Projekt NONkONFORM I, 30.4.1993.
• 1. Zwischenbericht Projekt NONkONFORM II, 10.2.1999.
• 2. Zwischenbericht Projekt NONkONFORM II, 13.11.1999.
• Aktennotiz zum «‘Junkere 37’-Preis» vom 12.8.2003.
• In Bern hat ‘1968’ 1955 begonnen. Der Bund, 5.6.1993.
• Berns Brückenkopf der Kunstmoderne. Die Kunsthalle Bern wird 75. WoZ, Nr. 35/1993.
• Die Drachen sterben nicht aus. Acht Erzählungen von René Neuenschwander. Der Bund, 20.11.1993.
• Die letzte Generalversammlung. Idee zu einem Dreipersonenstück und Fragment der ersten Szene (1994).
• Subkultur: Fünf Faktoren und neun Thesen. Fabrikzeitung Nr. 133 / 1997.
• Eine Nische der musikalischen Moderne. Zu Hermann Gattikers «Hausabenden für zeitgenössische Musik». Berner Zeitung, 25.4.1998.
• Gutes Leben oder gerechte Gesellschaft? Die Achtundsechziger von Bern. Megafon, Mai 1998.
• Nullpunkt oder stinkendes Bschüttloch? Der Berner Literaturstreit. Almanach Literatur, 1998.
• Ein nonkonformistischer Keller-Poet. Nachruf auf Ueli Baumgartner. Berner Zeitung, 13.5.2000.
• Die Radikalen sterben nicht aus. Jugendkulturen im 20. Jahrhundert. WoZ, 1+2/2002.
• Als Jürg Frischknecht Achmed Huber traf. Wie es zum WoZ-Porträt des schillerndsten Junkere 37-Aktivisten gekommen ist. Monatskolumne 1.9.2016. (Zu Huber als Junkere 37-Aktivist siehe hier.)
• Einführung an der Buchvernissage von «Begerts letzte Lektion» 18.10.1996 (nicht gehalten)
• Junkere 37 im Originalton, eine Einführung. Literatur im Schlachthaus, 18.6.1999.
• Stimmen aus dem Untergrund. Ein Blick in die Werkstatt von NONkONFORM. Literaturkantine 15.12.1999.
• Bern: Kapitale oder Provinznest?, Der literarische Montag, Kornhausbibliothek, 27.1.2003.
• Warum Kurt Marti nicht Professor wurde, Nydeggnacht, 27.6.2003.
• Beat (in) der Schweiz – das Gespräch. Literarischer Monat, März 2014.
• Georg Weber: «Ein Funke springt über». Der Diskussionskeller «Junkere 37», in: ders. [Hrsg.]: Rebellion unter Laubenbögen. Die Berner 1968er Bewegung. Basel (Zytglogge Verlag) 2017, S. 26-66. (Dieses PDF zeigt den Anfang des Beitrags.)
• Caroline Bühler / Heinz Kräuchi / Fredi Lerch / Katrin Rieder /Tanja Rietmann [Hg.]: Knabenheim «Auf der Grube»: 188 Jahre Zwangserziehung. Innenblicke und Aussenblicke. Zürich (Verlag Hier und Jetzt) 2022 (siehe auch hier).