Frühe Texte

Eigentlich will – nein: muss – ich schreiben! Davon war ich als Jugendlicher überzeugt. Klar wurde mir aber bald einmal: Um schreiben zu können, muss ich das hinter der Kulisse eines existenzsichernden oder doch zumindest sozial unauffälligen Lebens tun. Das heisst aus heutiger Sicht umgekehrt: Ich war von vornherein überzeugt davon, dass ich das, was ich unter Schreiben damals verstand, weder existenzsichernd bezahlt noch sozial unauffällig würde tun können. So begann ich ab den frühen 1970er Jahren für mich zu schreiben und absolvierte gegen aussen das Staatliche Lehrerinnen- und Lehrerseminar in Langenthal. Im April 1974 zog ich als Zwanzigjähriger ins obere Baselbiet und begann in Läufelfingen als Primarlehrer zu arbeiten – daneben schrieb ich. Zwischen Oktober 1975 und Juli 1979 absolvierte ich ein Musikstudium (Blockflötenlehrdiplom) an der Scola Cantorum in Basel – daneben schrieb ich.

Anschliessend arbeitete ich als Sprachlehrer in einem Zentrum für Indochinaflüchtlinge (1979/80) und näherte mich als Hörer am Journalistischen Institut an der Universität Fribourg meinem zukünftigen Beruf (1980/81). Gleichzeitig wurde mir definitiv klar: Wollte ich weiterschreiben, musste ich die Ambition auf ein berufenes Schreiben durch ein berufliches ersetzen: Ab Frühsommer 1981 engagierte ich mich deshalb in der Pressegruppe der Berner Jugendbewegung, auf Oktober 1982 öffnete sich die entscheidende Türe: Ich wurde Redaktor und Genossenschafter der Wochenzeitung (WoZ). Im Journalismus wuchs dann allmählich die Überzeugung, die für mich richtige Abzweigung erwischt zu haben.

Diese Textwerkstatt mag anderen für ihre Suchbegriffe als Möglichkeit zu flinker Recherche dienen, mir dient sie erklärtermassen zur «Selbstrekonstruktion als Text». Darum wird hier unter «Frühe Texte» ein repräsentativer Einblick gegeben in das, was in den 1970er und den frühen 1980er Jahren hinter der Kulisse eines halbwegs angepassten Lebens entstanden und meistens direkt – nicht selten als Fragment – in Archivschachteln verschwunden ist. Es gilt darum jetzt, diese Archivschachteln allmählich zu öffnen, durchzusehen und in die Textwerkstatt einzugliedern, was mir gegen die eigene Scham und unter Berücksichtigung der Persönlichkeitsrechte Dritter transkribierbar erscheinen wird. (5.10.2021)

Prosa und Dramatisches