Schreibtischtäter Armin Mohler

 

Dieser kurze Beitrag erschien in der WoZ als Kasten zu einem Interview, das Fred David mit Armin Mohler (1920-2003) geführt hat. Der gebürtige Basler Mohler wird – unter dem Titel «Ich bin ein Faschist» – als «Der Schweizer, der ein Vater von Deutschlands Neuer Rechten ist» eingeführt. Im Gespräch definiert Mohler das Zusammengehen «enttäuschter[r] Liberale[r]» und «enttäuschte[r] Sozialisten» als «Konservative Revolution», behauptet, Hitler habe mit seinem Nationalsozialismus «vom Faschismus keine Ahnung» gehabt, und erklärt, warum ihm die Mischung von Faschismus und Stalinismus nicht «unheimlich» vorkommt: «Nein, wieso? Ich mag dieses Kleinbürgerliche einfach nicht, dieses nur am Geld Orientierte, ich hasse alle diese Bravheitsansprüche. Ich fühle mich wohl unter Leuten, von denen ich spüre: Es geht denen nicht nur um eigennützigen Kleinkram.»

Dieses Argument mag auf die Schnittmenge hinweisen, die ihn mit dem Nonkonformismus der 1950er Jahre in der Deutschschweiz verbunden hat. Im April 1958 hat er in Vallamand am Murtensee an einer Tagung der subkulturellen Berner Jugendgruppe «Tägel-Leist» teilgenommen. Als Referent sprach er über «Die keltische Wiederkehr – Wandlungen im französischen Geschichtsbewusstsein» und als Journalist der «Tat» berichtete er unter dem Titel «Eine Kelten-Tagung am Murtensee» (siehe «Ur-Begert», S. 133 und 137ff., resp. «Begerts letzte Lektion», S. 232 und 236ff.). Übrigens hat Mohler zwei Jahre zuvor, im März 1956, an einer Schriftstellertagung auf Boldern teilgenommen, wo es über «Öffentlichkeit» und die Rolle des «freien Schriftstellers» ging und auch Autoren wie Jakob Bührer, Max Frisch oder Friedrich Dürrenmatt anwesend waren (siehe «Muellers Weg ins Paradies», S. 127f.).

Ich habe diesen Kasten zum Interview also offenbar deshalb geschrieben, weil ich von meinem Projekt NONkONFORM her einiges über Mohler gelesen hatte:

 

«Es gibt einen Zusammenhang zwischen Politik und politischer Schriftstellerei, aber nicht so direkt. Wenn heute irgend etwas geschieht, dann hat das wahrscheinlich jemand vor zwei oder vier Jahrzehnten ausgekocht, und über alle möglichen Kanäle kommt es dann in die Politik, mehr oder weniger verballhornt.» Als Armin Mohler dies vor einigen Jahren zum Publizisten Claus Leggewie sagte, wusste er, wovon er redete. Gut zwanzig Jahre, bevor zwischen Ernst Nolte und Jürgen Habermas 1986 der «Historikerstreit» um die Relativierung der Judenvernichtung entbrannte, hatte Mohler mit seinen Büchern «Was die Deutschen fürchten» (1965) und «Vergangenheitsbewältigung» (1968) die Thesen des Revisionismus exakt vorformuliert (1967 wurde er erster Träger des Adenauer-Preises für Publizistik). Insofern hat Leggewie den in München lebenden Schweizer Mohler «mit dem Odium des skandalträchtigen Schreibtischtäters» in seinem Buch «Der Geist steht rechts» (1989) richtigerweise als «Urquelle» und als «Stichwortgeber des Revisionismus» bezeichnet.

Rechtsextremismus ist mehr als rassistische Politiker und «Heil Hitler»-brüllende Jugendliche. Hinter ihnen stehen Köpfe. Unter anderem publizistisch arbeitende Leute wie Armin Mohler oder Ahmad Huber (siehe WoZ Nr. 34/1993[1]), die sich als «Intellektuelle» verstehen. Dass ihre Welterklärungsmodelle in vielem nichts weniger als absurd sind, ist das eine. Dass sie heute – gerade bei jungen Leuten – wieder zunehmend beachtet werden, ist das andere: Mohler hat von seinem neuesten Buch «Nasenring», obschon sich der Buchhandel geweigert hat, es aufzulegen, 10'000 Exemplare abgesetzt. Mohler: «Ich bin immer zu früh gekommen. Aber es gibt eben Umwege, die länger dauern und auch ans Ziel führen.»

[1] Zur Vorgeschichte dieses Porträts von Achmed Huber, das Jürg Frischknecht verfasst hat, siehe hier.