Letztes Angebot: Unter den Boden

In Bern wird der Kocherpark als Treffpunkt der offenen Drogenszene spätestens Ende März geschlossen. Offen repressive und sozialtechnologische Massnahmen sollen Zustände verhindern, wie sie seit der Platzspitz-Schliessung im Zürcher Kreis 5 herrschen.

Die drogenpolitischen Pressekonferenzen der Berner Stadtväter – am Mittwochmorgen fand die dritte seit Ende Oktober statt – beginnen immer gleich. Zuerst wird beteuert, dass das Problem der harten Drogen unter den herrschenden drogenpolitischen Rahmenbedingungen in keiner Weise zu lösen sei und dass man demzufolge eigentlich nur das Falsche tun könne, dies aber so gut wie möglich tun wolle. Danach wird das Falsche ausgebreitet. Zum Beispiel die Polizeidoktrin nach der Schliessung des Kocherparks. Sie lautet: «Keine Duldung von offenen Drogenszenen.»

• Keine Filterlitische, kein gruppenweiser Deal und Konsum in der Öffentlichkeit (die Polizei hat bei Kontrollen auch kleine Mengen des Stoffs zu konfiszieren).

• Die Polizei hat die Kompetenz, «kranke und verelendete» Junkies in einen im Aufbau befindlichen Sanitätsposten zu überweisen.

Neben den bekannten fürsorgerischen Strukturen wird eine Wiedereröffnung der Krankenzimmers (auf 9. März) die Eröffnung der zweiten Anlaufstelle mit Fixerraum an der Murtenstrasse (auf 16. März), sowie nach der Kocherpark-Schliessung der dezentralisierte Spritzentauch (zirkulierender Spritzenbus, Automaten, Apotheken) in Aussicht gestellt.

Als äusserste und niederschwelligste Massnahme betrachtet die Stadt den neuen Sanitätsposten im Zivilschutzbunker Messerligrube: Angeboten werden dort während des begrenzten Aufenthalts von höchstens vierzehn Tagen ärztliche Betreuung, Pflege, ein Tagesaufenthaltsraum und Übernachtungsmöglichkeiten, Methadon in niedrigen Dosen und die Weitervermittlung in die Sozialmaschinerie hinter der Front. Im übrigen herrscht «Freiwilligkeit». Wer allerdings nicht in den Bunker will, trifft auf der Gasse nur noch Polizei.

Der Titel in der WoZ lautete doppeldeutig: «Letztes Angebot: Weg unter den Boden».