Illegale Überstunden in der Stifti

Laut Gesetz dürfen Jugendliche in der Lehre Überstunden leisten. Allerdings darf die Arbeitszeit inklusive Überstunden neun Stunden pro Tag nie überschreiten. Der Unia-Umfrage zeigt, dass in vielen Lehrbetrieben diese Regel missachtet wird: Der neue «Unia Lehrlingsreport» zeigt jetzt: Von 1511 befragten Stiftinnen und Stifte muss mehr als die Hälfte (55 Prozent) regelmässig Überstunden machen. 17 Prozent mehrmals pro Monat,17 Prozent sogar wöchentlich. Ihre tägliche Arbeitszeit übersteigt damit die vorgeschriebenen neun Stunden. Das ist illegal. Kommt dazu: Ein Viertel der Jugendlichen erhält die Überstunden weder entlöhnt noch kompensiert. Und: Nur magere 11 Prozent der Befragten müssen am Wochenende nie arbeiten, 64 Prozent dagegen regelmässig. Dieses Ergebnis spiegelt auch die Tatsache, dass an der Umfrage über tausend Lernende aus dem Dienstleistungs- und Gewerbesektor teilgenommen haben, also aus Verkauf, Gast- sowie Autogewerbe etc., jedoch bloss knapp 130 aus Bau und Industrie.

Lohn und Ferien

Was verdienen Stiftinnen und Stifte im Schnitt? Auch darauf gibt die Unia-Studie Aufschluss: Ihr Lohn ist zwar sehr unterschiedlich, doch die Mehrheit (61 Prozent) verdient zwischen 500 und 999 Franken im Monat. 53 Prozent der Lehrlinge sind mit ihrem Lohn «zufrieden» oder «eher zufrieden», wobei die Unzufriedenheit steigt, je länger sie im Betrieb arbeiten. Vor allem im letzten Lehrjahr fühlen sich viele als billige Arbeitskräfte missbraucht. Sie bringen zwar schon die volle Leistung, verdienen aber deutlich weniger als die Ausgelernten.

Unzufrieden sind 43 Prozent der Befragten auch mit der Kürze ihrer Ferien. Der Report weist zwar nach, dass heute 22 Prozent der Lehrlinge mehr als fünf Wochen Ferien beziehen. Der gesetzliche Anspruch jedoch beträgt fünf Wochen, die Jugendkommission des Gewerkschaftsbundes fordert sieben.

Betreuung und Kontrollen

Lehrmeister dürfen Stiftinnen und Stifte nicht überfordern und allein lassen. Schliesslich sollen diese ja auch etwas lernen. Dennoch gab ein Viertel der Befragten an, unbetreut zu bleiben. Wöchentlich! Die grosse Mehrheit der befragten Lehrlinge (83 Prozent) beurteilt die Qualität ihrer Ausbildung trotzdem als «sehr gut» oder «gut». Nur 16 Prozent befürchten, dass sie die Ziele ihrer Ausbildung bloss zur Hälfte erreichen werden.

Einen Missstand deckt der Report im Bereich der Arbeitsplatzkontrollen durch die kantonalen Berufsbildungsämter auf: 24 Prozent der Lehrlinge wissen nicht, dass es solche Kontrollen überhaupt geben sollte. Weitere 55 Prozent wissen es zwar, haben aber noch nie eine erlebt. Der Präsident der Unia-Jugendkommission Paul Maetschke sagt dazu: «Hier muss dringend gehandelt werden.»

Das zeigtauchdie Webseite des Lehrlingsprangers[1], die die Unia im letzten Winter aufgeschaltet hat. Dort können Stiftinnen und Stifte sich melden, wenn sie Probleme haben. Und dort sind Einzelfälle bekannt geworden, die gemäss Gewerkschafter Maetschke «aufrüttelnd und schockierend» sind: Fälle von Mobbing in der Stifti und von sexistischen, rassistischen und brachialen Übergriffen.

[1] Die Website der Unia-Jugend ist nicht mehr aufgeschaltet. Sie wurde vom Gewerbeverband sofort als «schädlich» kritisiert. (20minuten, 7.1.2014)

 

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Petition für Stifte

Der Staat soll seine Verantwortung für Lernende besser wahrnehmen, das fordert Petition «Mehr Schutz für Lehrlinge!», die die SGB-Jugendkommission vor Kurzem lanciert hat. Ihre Forderungen:

• Mindestens eine Arbeitsplatzkontrolle pro Jahr in jedem ausbildenden Betrieb.

• Die Lehraufsicht soll von unabhängiger Seite garantiert werden, am besten von einer tripartiten Kommission aus Vertretern des Kantons, der Arbeitgeber und der Gewerkschaft.

• Strengere Kriterien für die Ausbildungsbewilligung des Lehrbetriebs.

Zudem kritisiert die Petition, dass in den Kantonen sowohl bei den Stipendien gekürzt, als auch beim kontrollierenden Personal gespart wird. Darum die Forderung: «Kein Sparen auf dem Rücken der Jugendlichen.»

Die Petition ist von mehr als 4000 Stiftinnen und Stiften unterzeichnet worden.