Muellers Weg ins Paradies

«Ich hüpfe die Junkerngasse hinunter […]. Ein Plakat ‘Berner Diskussionspodium’, und gegenüber Frieda Mumprecht, Haute Couture.» (Walter Vogt: Der Vogel auf dem Tisch. Bern [Lukianos] 1968, S. 127 f.)

Dem in «Begerts letzte Lektion» dargestellten reformpädagogischen Aufbruch folgt ein literarischer und später ein politischer. Damit hat Berns damalige nonkonformistische Jugendszene in ihrem provinziellen Mikrokosmos exemplarisch die drei Möglichkeiten menschgemässer Aufklärung ausprobiert: Veränderung des Menschen durch Erziehung; Veränderung der Wahrnehmung durch literarische Spiegelung der Welt, wie sie ist; Veränderung der Verhältnisse durch politische Intervention. Im Zentrum der Darstellung steht diesmal der Gammlerpoet René E. Müller (1929-1991) und das Diskussions-Podium «Junkers 37». – Dieses Buch ist 2001 in der Reihe WoZ im Rotpunktverlag, Zürich, erschienen. – Der Klappentext des Buchs hat gelautet:

«Der Nonkonformismus der sechziger Jahre: Jugendszenen haben literarische Ambitionen, in den Kellern der Berner Altstadt entstehen Lese- und Diskussionspodien, so die legendäre ‘Junkere 37’. Sehr zum Ärger des Establishments, das die ‘Keller-Poeten’ als ‘Nonkonformisten’ beschimpft. Diese verstehen das als Ehrentitel und beginnen fortan, laut und deutlich gegenzureden – an heissen Themen fehlt es nicht: die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg, das bernische ‘Asozialengesetz’, die Expo in Lausanne… Man demonstriert in Ins und Witzwil gegen die Inhaftierung von Militärdienstverweigerern, trifft sich konspirativ am Bieler See, provoziert den Burgdorfer Literaturskandal, hisst die Vietcongflagge auf dem Berner Münster.

Als kundiger Führer durch den nonkonformistischen Untergrund fungiert der Gammlerpoet René E. Mueller. Als Kind ein administrativ versorgter Unerziehbarer, später von Friedrich Dürrenmatt und Dieter Bührle finanziell unterstützter Schriftsteller, schliesslich Asche im Indischen Ozean. Auf seinem Weg durch die sechziger Jahre hat er als Bürgerschreck kein Fettnäpfchen ausgelassen.»

Für die Zweitveröffentlichung an dieser Stelle hat der Rotpunktverlag die Datei des elektronischen Buch-Umbruchs als pdf zur Verfügung gestellt, wofür ich danke.

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Rezeption:

Beat Sterchi: Vom Gewaltigsten, in: Rote Revue 2 / 2001, 44 f.