Kulturpolitisches

Vermutlich unterschätzt man in der Schweiz bis heute, wie stark in den Jahren vor 1945 die Idee einer kritischen Öffentlichkeit unterdrückt worden ist. Die bis dahin explizit ausgeübte Pressezensur wurde mit dem Beginn des Kalten Kriegs kurz darauf faktisch wieder eingeführt. Wurde die einheimische Kulturproduktion im Rahmen der Geistigen Landesverteidigung bis 1945 als Teil der Dissuasion gegen Nationalsozialismus und Faschismus instrumentalisiert, sollte sie von nun an die gleiche Funktion gegen den Kommunismus erfüllen.

Mich hat die Auseinandersetzung mit Aspekten dieser Zeitgeschichte stets interessiert, weil mich interessierte, wie der ideologische Normierungsdruck der ersten und der zweiten Geistigen Landesverteidigung einen fast flächendeckenden Konformismus entstehen liess, der eben dann doch bloss fast flächendeckend blieb.

Seit den fünfziger Jahren entwickelte sich vorab in den Städten als unorganisierte Bewegung ein linksliberaler Nonkonformismus, der mich gerade deshalb fasziniert, weil ich später mitangeschaut habe, wie restlos konformistisch viele Verbalradikale der Neuen Linken aufs Alter geworden sind. Was zählt mehr: die «richtige» Weltanschauung oder eine Haltung, die man auch morgen noch wird ernst nehmen können? Antworten auf diese Frage interessieren mich, weil sie von einer Kultur handeln, die mich interessiert.

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Eben erschienen:  Flückiger / Krethlow / Tobler [Hrsg.]: Bern 70 (Edition Atelier) 2017.
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