Zwischenbericht der Zauberlehrlinge

Vor sechs Wochen hat Berns Stadtregierung ein Massnahmenpaket aus fürsorglicher Repression vorgestellt, mit dem sie die offene Drogenszene im Kocherpark endlösen wollte. Begeistert, dass es funktioniert, haben die beiden Zauberlehrlinge Klaus Baumgartner (Fürsorge) und Marco Albisetti (Polizei) am letzten Montag der versammelten Presse erzählt, was seither geschah: Wie im Märchen löst sich das Böse, das zu vernichten man ausgezogen ist, zusehends in Nichts auf.

Und zwar so: In 664 Fällen wurden Gefährungsmeldungen an die Wohnsitzgemeinden verschickt – mit dem freundlichen Hinweis: «Es obliegt den Behörden der Wohnsitzgemeinde, allenfalls Massnahmen nach fürsorgerischem Freiheitsentzug [FFE] einzuleiten»; 215 weitere Gefährdungsmeldungen betrafen Minderjährige; in 266 Fällen wurde ein beschleunigtes Asylverfahren eingeleitet; 90 ausländische Junkies wurden ausgeschafft, weitere 50 erhielten eine Ausreiseverfügung (Ausreise innert 24 Stunden); 30 Fälle wurden im Schnellverfahren in einzelrichterlicher Kompetenz abgeurteilt; bisher in zwei Fällen der FFE eingeleitet. Anders: In den letzten sechs Wochen sind rund um den Kocherpark mindestens 1300 Leute in Polizeikontrollen erfasst, zu Fällen gemacht, polizeilich und fürsorgerisch bearbeitet und soweit möglich zum Verschwinden gebracht worden.

Das weitere Vorgehen wurde wie folgt umrissen: «Beharrlichkeit, Umsicht, permanente Lagebeurteilung, Flexibilität, Konsequenz» (Albisetti). Als nächstes soll der Kocherpark für zwei, drei Tage geschlossen werden. Die Experimentatoren wollen beobachten, was ihre weissen Mäuse dann tun. Vernachlässigbar ist, dass in den letzten Wochen nicht nur (aufs neue) eine subkulturelle Szene zerschlagen worden ist, sondern auch die prekären sozialen Netze der Junkies, deren Identität, deren «Seele», ein weiteres Mal deren geschundenes Leben (das eben auch Sabotage ist gegen die menschenvernichtende Drogenprohibition). Der joviale Baumgartner: «Ihr dürft nicht glauben, wir seien so naiv zu meinen, wir hätten damit das Drogenproblem gelöst.» Wenn nicht das Drogenproblem, was dann?

Dieser Kasten ergänzte einen Haupttext über die Situation in Zürich, in dem Jan Morgenthaler unter dem Titel «Safer leben» über «Die letzte Nacht im Zürcher Drogenbunker» berichtete.