Zaffaraya: Bern wurstelt weiter

Nicht sofort, wie in der letzten WoZ gemeldet, sondern erst in zwei Monaten, am 31. Oktober, sollen sich die ZaffarayanerInnen auf dem Park-and-ride Neufeld am Stadtrand von Bern in Luft auflösen. Diesen weisen und weitsichtigen Entscheid hat Stadtpräsident Werner Bircher am letzten Dienstag an einer Pressekonferenz eröffnet. Nach harten Verhandlungen mit dem Kanton, so Bircher, sei es der Stadt gelungen, die kantonale Teerpiste im Bremgartenwald für weitere zwei Monate freizubekommen, allerdings nicht als «Dauerlösung», sondern lediglich im Sinn einer «Erstreckung». Verständlich, dass der Gemeinderat die Frage, was nach dem 31. Oktober zu geschehen habe, zwar bereits erkannt, aber noch keiner Antwort zugeführt hat. Immerhin konnte Bircher (wieder einmal) darauf hinweisen, dass verwaltungsintern erfolgreich, d. h. ohne Erfolg, «41 Terrains begutachtet» worden seien und dass das neuerdings diskutierte Zehendermätteli als definitiver Standort für die Zaffaraya-Siedlung wohl ebenfalls nichts sei (zu wenig Platz). Den Tatsachen fest ins Auge blickend, rief er deshalb folgerichtig aus: «Wir haben nichts gefunden!»

Seinen Ärger kundgetan hat Stadtvater Bircher bei dieser Gelegenheit über die Kantonsregierung. Hatte diese doch den Bericht der «Arbeitsgruppe Randgruppen», der nach der Zaffaraya-Räumung in Auftrag gegeben worden ist und seither in der Kantonsverwaltung auf kleinem Feuer geköchelt hat, ausgerechnet am 23. August veröffentlicht. Darin wird nicht nur festgehalten, dass «gesellschaftliche Veränderungen praktisch immer am ‘Rand’ der Gesellschaft» einsetzten, sondern es werden auch Anträge gestellt, z. B. dieser: «Die grösseren Gemeinden sind aufzufordern, im Rahmen der nächsten Revision der Bau- und Planungsgesetzgebung der Gemeinden eine gesetzliche Grundlage für Experimentierflächen zu schaffen, die es ermöglichen würde, zeitlich begrenzte Wohnexperimente zu bewilligen.»

Eins, zwei, drei, viele Zaffarayas im Kanton Bern? Da muss in der rot-grünen Kantonsregierung ein überwinternder 68er mächtig zugeschlagen haben. Verständlich, dass Berns freisinniger Bircher vor versammelter Presse zu trötzeln begann: «Wir erwarten vom Kanton ein Gelände.»

Übrigens war am Dienstag auch folgende städtische Drohung zu hören: «Wenn das Zaffaraya im Neufeld bleibt, kann in Bern 1990 das Fahrendenproblem nicht mehr gelöst werden.» Dass in technokratischer Sachzwanglogik das Zaffaraya-Problem nichts als ein weiteres Standplatzproblem ist, ist eigentlich naheliegend. Je entscheidender sich die Zaffarayanerinnen und die Fahrenden gemeinsam gegen die Ausspielen ihrer je eigenen legitimen Bedürfnisse zur Wehr setzen, desto weniger wird es der Stadt Bern gelingen, sie gegeneinander aufzuhetzen.