Geordnete Rückeroberung

Nach der Zaffaraya-Räumung gesteht der Berner Gemeinderat (Exekutive) auf Weihnachten die Wiedereröffnung des ehemaligen AJZ-Teils der Reitschule zu: provisorisch vom 4.-27. 12. und 31.12.-3. 1. 1988, täglich höchstens 10 Stunden (8 Stunden putzen). Die Reitschul-Bewegung hat andere Vorstellungen.

Von der Redaktionsstelle Bern

Über vierzig Leute trafen sich letzten Montagabend in der Brasserie Lorraine, um als «Konzeptgruppe» die nächste Gesprächsrunde zwischen den VV-Delegierten und dem Gemeinderat vorzubereiten. Schnell klar wurden die Rahmenbedingungen:

• Auf den «Rahmen für die Zurverfügungstellung der Räume des Begegnungszentrums im Reitschulareal» (befristete Öffnung, tägliche Schliessung, Jugendamt als Anlaufstelle, Mietzins etc.), den der Gemeinderat in einem Communiqué veröffentlicht hat, wird nicht eingetreten.

• Es ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll, dass die VV der Bewegung gegenüber dem Gemeinderat weiterhin als «Verein Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule» (IKuR) auftritt.

Folgendes «IKuR-Betreiberkonzept» wurde danach zuhanden der Sitzung mit dem Gemeinderat ausdiskutiert:

«Der Verein IKuR funktioniert als Betreiber des Kultur- und Begegnungsbetriebs auf dem gesamten Reitschulareal (vormals der ehemaligen AJZ-Räume). Er tritt als Mieter gegenüber der Stadt auf (symbolische Miete Fr. 1.-/Mt.).

Der Betrieb, Ziele: Die IKuR sorgt für eine kulturelle Öffnung und Nutzung der gemieteten Räume. Es soll sich eine alternative, nicht kommerzielle Kultur entfalten: Die BenützerInnen sollen Strukturen vorfinden können, die ihnen Möglichkeiten anbieten zu kreativer, aktiver Entfaltung und nicht blosser Konsumhaltung. Förderung nicht etablierter Kulturschaffender.

Strukturen, Organisation: Der Betrieb soll selbsttragend wirtschaften. Eine Unterstützung des Betriebes durch die Stadt ist vorerst nicht vorgesehen. Infrastrukturen wie Strom, Wasser, Gas, Heizöl, Kehrichtgebühr und Gebäudeunterhalt werden von der Stadt übernommen. Im Betrieb bilden sich Arbeitsgruppen, die nicht kommerzielle Ziele verfolgen in den Bereichen: Kunst, Handwerk und gesellschaftliche Problematiken. Eine Gruppe, gebildet aus den verschiedenen Arbeitsgruppen, koordiniert den Betrieb. Die Anliegen der Arbeitsgruppen und der Koordinationsgruppe, soweit sie den Betrieb der Räumlichkeiten betreffen, sind von der Vereinsvollversammlung abzusegnen.

Deputation: Von der Vereinsvollversammlung bestimmte Abgeordnete führen mit der Gemeindeverwaltung bilaterale Gespräche. Sie sind verantwortlich, dass Anliegen der Stadtbehörden der Vereinsvollversammlung und den Betriebsgruppen übermittelt werden (und umgekehrt).

Bern, 30. November 1987»

Die nächste Sitzung der «Konzeptgruppe» ist für Dienstag, 8.12., angesagt: Beredet werden soll dann das interne Betriebskonzept und die Revision der IKuR-Vereinsstatuten.

 

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ZAFFARAYTSCHULE

Als Fortsetzung der Chronologie der Ereignisse in derWoZ Nr. 48/1987.

Mittwoch, 25. November

Erstes Communiqué des Gemeinderates: Er trete auf das VV-Ultimatum betreffend Freigabe eines Grundstücks für Zaffaraya nicht ein: «Trotzdem setzt er seine Bemühungen um die Zurverfügungstellung eines Ersatzterrains nach wie vor fort.» Zweites Communiqué des Gemeinderates: Der AJZ-Teil der Reitschule soll zwischen dem 24. und 27.12., resp. 31.12. und 3.1.1988 befristet geöffnet werden. «Die Veranstaltungen sind so angesetzt, dass die Räume innerhalb von 24 Stunden während mindestens 8 Stunden geschlossen bleiben und gereinigt werden können.» Für die provisorische Instandstellung werden Franken 80000 «zur Verfügung gestellt»: für die Reitschule-Benützung ist eine Miete zu bezahlen.

Donnerstag, 26. November

Stadtratsdebatte zu Zaffaraya: Während der rechtsfreisinnige Kurt Wasserfallen im Zaffaraya-Umfeld «Anarchie, Terror, Rebellion, Widerstand, Rechtsmissbrauch und umstürzlerische Tätigkeiten» ausmacht, greift Christian Müller (POCH/Grüne) den «Amoklauf der randalierenden Polizeitruppe» an und fordert Marco Albisettis Rücktritt. Eine breite Mitte, darunter erstaunlicherweise auch die SVP, plädiert für Gesprächsbereitschaft. Mittlerweile besetzen mehrere hundert Leute, die sich zu Beginn der Debatte vor dem Rathaus besammelt haben, an der Laupenstrasse 49 den ehemaligen Sitz der Drogenberatungsstelle «Contact». Die ZaffarayanerInnen bezeichnen das Haus als ihr Winterexil und geben gleichzeitig bekannt, auf das Angebot des Ehepaares Zuber (vgl.WoZ 48/1987) zu verzichten. Sofortige Anzeige des städtischen Liegenschaftsverwalters Ulrich Frehner. Noch während der Stadtratsdebatte, an der nun auch Stapi Werner Bircher um versöhnlerische Töne zu ringen beginnt, befiehlt Polizeidirektor Albisetti einen knallharten Polizeieinsatz: Räumung der «Contact»-Liegenschaft, danach stundenlange Strassenschlachten. Insgesamt 102 Verhaftete, erst 24 Stunden später sind wieder alle in Freiheit. Die Verhafteten müssen in massiv überladenen Polizei-Wannen bis zu fünf Stunden ausharren, wobei sie regelmässig durch Grenadiere kalt geduscht werden. Auf der Polizeiwache werden sogar Eltern, die sich nach ihrem verhafteten Sohn erkundigen, handgreiflich angegriffen und blutig geschlagen. Weil auch zahlreiche DemonstrantInnen verprügelt werden, und zudem mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs gerechnet werden muss, hat sich wegen der Ereignisse an diesem Tag eine JuristInnengruppe gebildet, die von allen Betroffenen via WoZ Bern, Postfach 1223, 3001 Bern, erreicht werden kann.

Freitag, 27. November

Um 17 Uhr besammeln sich 400 Leute vor der Uni und ziehen in die Reitschule, um dort eine VV abzuhalten. Beschlossen wird die Teilnahme an der Anti-Rassismus-Demo tags darauf in Langenthal, weitere Beschlüsse werden an der VV vom 29.11. modifiziert oder zurückgenommen (z.B. die Idee einer weiteren nationalen Demo).

Sonntag, 29. November

Forderungen der VV an die Stadt: Verbot von Kampfgasen und Gummigeschossen bei Polizeieinsätzen / Öffnung der Reitschule ohne Auflagen / Rückgabe des Zaffaraya-Geländes / keine Luxusrenovationen – die Quartierversammlung als oberstes Beschlussorgan für alle Veränderungen, die das Quartier betreffen / keine Strafanzeigen gegen alle im Zusammenhang mit dem Kampf um Reitschule und Zaffaraya Kriminalisierten.

Montag, 30.11.

Zum wiederholten Mal werden Bewegungsleute durch Faschos auf offener Strasse zusammengeschlagen (Wer Opfer oder Zeuge/Zeugin solcher Angriffe wird, wendet sich ans Nottelefon 031/ 25 16 11).

Donnerstag 3.12.

(nach Redaktionsschluss)

13.30 Uhr Verhandlung zwischen VV-Delegation und Gemeinderat über die Eröffnungsmodalität der Reitschule (vgl. oben), 17 Uhr Konzept-VV Reitschule, 18 Uhr Demo, Treffpunkt Loeb-Egge.

 

[Stellungnahmen]

Der Staat hat uns den Krieg erklärt

Am 26. November 1987 räumten Polizeichef Marco Albisettis Prügelknaben erneut gewalttätig ein von mehreren hundert ZaffarayanerInnen provisorisch besetztes Haus. Folge: 102 Verhaftungen und ein sich bis weit nach Mitternacht hinziehender Kleinkrieg zwischen wütenden ZaffarayanerInnen und «hartdurchgreifenden» Polizeigrenadieren. Die WoZ dokumentiert Reaktionen, Communiqués und Stellungnahmen gegen Regierung und Polizei.

Gedanken zum Donnerstag, 26.11.1987

Der letzte Donnerstag ist für mich zum Wendepunkt unserer Bewegung geworden, denn an diesem Abend hat uns der Staat ganz klar gezeigt, dass er uns mit allen Mitteln zerstören will. Der Staat hat begonnen, uns v.a. mit zwei Mitteln zu spalten. Auf der einen Seite markiert er mit dem Gewixe im Stadtrat Gesprächsbereitschaft und Verständnis für unsere Anliegen, auf der anderen Seite zeigt er uns mit seinen Prügelknaben seine Macht.

1. Der Gemeinderat und Teile des Stadtrates versuchen mit dem Mittel der sog. Gesprächsbereitschaft, uns von den vielen Menschen zu trennen, die unsere Bewegung passiv unterstützt haben.

2. Der brutale Schmiereinsatz beabsichtigte verschiedene Ziele:

– Mit der Androhung von strafrechtlichen Konsequenzen (Hausfriedensbruch) versucht der Staat uns von all denen zu spalten, die Angst vor solchen Konsequenzen haben. Er versucht so, unsere Bewegung zu verkleinern, damit er uns dann besser lenken kann (dass nur noch «Chaoten» übrigbleiben).

– Mit der direkten Gewalt (Schläge, Druckversuche: Pissverbot, Androhen, dass Tränengas in die Wagen geworfen wird…) wird von der Schmier versucht, sog. «Chaoten» weiter zu radikalisieren und militanter werden zu lassen. Hier beabsichtigt die Schmier wieder ganz einfache Dinge: Sie schafft sich Gründe, damit sie hart einfahren kann. Sie will die «Gewaltlosen» von den «Gewaltvollen» abspalten. Nach dieser Abspaltung will die Schmier die «Chaoten» mit allen Mitteln kriminalisieren und so Exempel statuieren.

– Generell soll Angst vor irgendwelchen Aktionen aufgebaut werden. Auf diese Weise sollen wir verunsichert werden.

Die Wirkung der Taktik seitens des Staates hat sich schon am Freitag nach der VV gezeigt. Ich denke hier v.a. an die verschissene Gewalt- oder Nicht-Gewalt-Diskussion. Für mich ist nun der Moment gekommen, wo wir etwas gegen diese Spaltversuche seitens des Staates und seiner Prügelknaben tun müssen.

1. Wir müssen beginnen, uns wieder klare Inhalte, d.h. Orientierungshilfen zu geben. Nur so können wir uns wieder verbreitern, nur so können wir all jene wieder motivieren, die in der letzten Zeit vom ewigen Demo-Stress müde geworden sind, wieder in der Bewegung aktiv zu werden. Auf diese Weise können wir wieder verstärkt Druck auf den Scheiss-Staat ausüben.

2. Wir müssen wieder autonom werden. In der letzten Zeit haben wir uns zu stark nur auf ein Kampfmittel versteift. Wir wurden so in eine Rolle gedrängt, die unsere Macht sehr einschränkte, indem sich der Staat auf uns einstellen konnte (bei der Besetzung von den Kreuzungen wurde der Verkehr subito von der Schmier umgeleitet…). Wir müssen uns so neuen Bewegungsraum verschaffen, und das können wir nur, wenn unsere Kampfmittel vielschichtiger werden. Nur so werden wir unsere Stärke zurückgewinnen, indem wir genau das nicht tun, was der Staat von uns erwartet.

3. Wir müssen subito die Reithalle für unsere Zwecke nutzen.

4. Wir müssen einander wieder das Selbstvertrauen geben, dass unsere Ideen von einer anderen Lebensform nicht und nie zerstört werden können.

5. Solidarität untereinander war, ist und bleibt unser stärkstes Kampfmittel. Nur so können wir den Krieg, den der Staat am letzten Donnerstag uns erklärt hat, gewinnen.

VAMOS.

Pink Panter, Flugblatt der Bewegung

 

Zerschlagungspolitik versus Gesprächsbereitschaft

Die POCH-Grünen protestieren gegen die Räumung des ehemaligen« Contact»[1]-Gebäudes und gegen den erneuten Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Mit der sofortigen Räumung wurde die Taktik des Gemeinderates deutlich: jedes neue Aufflackern des ZAFFARAYAS wird im Keim erstickt, die ZAFFARAYA-Bewegung soll zermürbt und wenn nötig mit brutaler Gewalt zerschlagen werden. Damit entpuppt sich die vom Gemeinderat beteuerte Gesprächsbereitschaft als leeres Wort, denn eine zerschlagene Bewegung kann keine Gesprächspartnerin sein. Der Gemeinderat hat sich selbst blossgestellt. Wer wirklich gesprächsbereit ist, respektiert seine GesprächspartnerInnen, er begegnet ihnen nicht mit Tränengas und Gummigeschossen.

Mit der Besetzung des ehemaligen Contact-Gebäudes wurde der Gemeinderat zusätzlich blossgestellt, würde sich doch das seit August und offenbar noch für längere Zeit leerstehende Gebäude für eine Übergangslösung ausgezeichnet eignen. Der Gemeinderat hätte das stadteigene Gebäude selbst anbieten und damit einen Schritt auf die ZAFFARAYA-Bewegung zugehen können. «Wir müssen zusammenstehen und nicht auf Konfrontation machen.» Diese Worte von Stadtpräsident Werner Bircher während der gestrigen Stadtratsdiskussion wären dann glaubwürdig gewesen. So aber bleibt ein schaler Nachgeschmack zurück.

POCH-Grüne, Bern

[1] Das Contact Bern, heute als «Stiftung  für Suchthilfe» eine «Fachstelle für Jugend, Eltern und Sucht», betrieb bereits seit 1973 eine Drogenberatungsstelle in der Stadt.

 

Schon wieder: Brutal geräumt!

Wer gestern Donnerstag, dem 26.11.1987, den zynischen Worten der Stadtbehörden lauschen wollte, musste zur Selbsthilfe greifen: Die Ratstribüne wurde vorsorglich mit vielen Albisetti- und Bircher-Freunden besetzt und der Zugang von Zaff-AnhängerInnen massiv eingeschränkt, eine Übertragung in die Rathaushalle wurde durch die Stadtbehörden nicht organisiert. Die ZaffarayanerInnen mussten diese per Radio und Megaphon selber besorgen. Als die mehreren hundert ZaffarayanerInnen auf dem Rathausplatz keine Lösungsvorschläge, sondern nur niedrige Publikumsbeschimpfungen über sich ergehen lassen mussten, zogen sie friedlich durch die Innenstadt an die Laupenstrasse, um dort dem Gemeinderat zu zeigen, dass es tatsächlich Lösungen gibt, die sich unmittelbar verwirklichen lassen: Die leerstehenden Räumlichkeiten im Haus der Laupenstrasse 49, dem ehemaligen «Contact», wurde, unter absoluter Respektierung der darin einquartierten «Freien Malschule» provisorisch besetzt. Das war die richtige Antwort auf den Aufruf des Gemeinderates, Lösungsvorschläge anzubieten. Weil dieses Haus zurzeit Verhandlungsgegenstand zwischen der Stadt und dem Kanton ist, wird es bestimmt noch für einige Zeit, den ganzen kalten Winter lang, leer stehen und sich damit hervorragend für eine Zaff-Übergangslösung anbieten. Die BesetzerInnen liessen an einer unmittelbar nach der Besetzung durchgeführten Pressekonferenz keinen Zweifel über den provisorischen Charakter dieser Besetzung aufkommen und unterstrichen mehrmals ihre Gesprächsbereitschaft mit dem Gemeinderat über alternative und definitive Lösungen.

Etwa zur gleichen Zeit sprach auch Stadtpräsident Werner Bircher im Rathaus: «Ich hoffe, dass wir in Zukunft vernünftig miteinander reden können und nicht auf Konfrontation machen», rief er in den Saal. Was von diesen Worten zu halten ist, bewiesen die Ereignisse in den kommenden Minuten. Polizeidirektor Marco Albisetti verliess die Stadtratsdebatte während zwanzig Minuten – genau in jener Zeit, als im Rat die «versöhnlichen Worte» zu überwiegen begannen, wie es in verschiedenen Berichterstattungen hiess. In diesen zwanzig Minuten, das scheint uns offensichtlich zu sein, hat Albisetti die sofortige Räumung der Laupenstrasse 49 befohlen! Und wie die Polizei diesen Skandal-Entscheid von Albisetti – wussten die übrigen Gemeinderäte davon? – ausführte: Die ganze aufgestaute Wut der Polizisten, wie sie sich schon in «Einzelabreibungen» gegen einige ZaffarayanerInnen in den letzten Tagen manifestierte, entlud sich in der Laupenstrasse. Tränengas, Gummigeschosse, Direktschläge – alles wurde eingesetzt, um möglichst viele der BesetzerInnen zu verhaften und einzuschüchtern. Das ist Birchers «Vernünftig-miteinander-Reden»! Dass sich in den anschliessenden Stunden die Wut über diese Polizei-Politik und diese zynischen Worte im Rat in weiteren Konfrontationen mit der Polizei niederschlug, haben allein der Gemeinderat und die Polizei zu verantworten.

Die SAP fordert die sofortige Freilassung sämtlicher Verhafteten, keine Anklagen, die sofortige Zurverfügungstellung einer städtischen Liegenschaft für die ZaffarayanerInnen. Die SAP unterstützt die weiteren Demonstrationen zur Durchsetzung dieser Forderungen und ist solidarisch mit der Demo vom Samstag 28.11.1987 in Langenthal gegen die rassistische Gewalt, die sich in dieser Stadt manifestiert hat.

Sozialistische Arbeiterpartei SAP, Sektion Bern

 

Es geht um mehr:

Zaffaraya und Reithalle sind die wichtigsten Parolen der momentanen Protestbewegung. Doch es geht um mehr.

Kulturraum, Reitschule: Wir reiten durch die ganze Stadt!

Die «Sozialpolitik» der Herrschenden beschränkte sich in den letzten Jahren ausschliesslich auf Wirtschaftsförderung und Profitmaximierung. Notwendig für ein wirklich öffentliches Leben sind selbstverwaltete Kulturzentren, eine flexible Kulturpolitik und Freiräume für längst überfällige Experimente in neuen Kulturformen. Stattdessen weiss der Gemeinderat nichts besseres zu tun, als sich (mit Zeit + Geld) für ein schweizerisches Kriegsmuseum im Beundenfeld [Berner Quartier, Red.] einzusetzen… Solche Tempel der Herrschaftskultur haben in unserer Stadt nichts zu suchen.

Wohnungsnot ist Spekulantenbrot!

Ganze Quartiere (Mattenhof, Brunnmatt usw.) wurden der Spekulationswut und dem Baggerzahn geopfert. Wir haben es satt, wegen Luxusrenovationen und Neubauten von Ort zu Ort ziehen zu müssen!

Wir fordern: Billigen Wohnraum statt Glaspaläste! Den Spekulanten, Immobilienhaien und anderen GeschäftsHERREN muss die Möglichkeit entzogen werden, auf dem Rücken der Wohnungssuchenden massive Profite einzutreiben: Platz für selbstbestimmte Wohnformen, aber SUBITO!

Stopp den Repressionen

Randgruppen werden rücksichtslos übergangen und diskriminiert. Nicht nur Zivis und Gerichtsverfahren bedrohen unsere Lebensfreiheiten, sondern auch Konsumterror und Arbeitsmoral. Wir lassen uns nicht länger unterdrücken und einplanen, helft mit, unsere Rechte zu verteidigen: Zaffaraya und Reitschule sind erst ein kleiner Anfang!

Friede den Hütten, Zaff den Palästen! Rücktritt von Bircher und Albisetti!

aus: MEGAPHON [neue Zeitung der Bewegung, Red.]

 

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Mattenhof-Ausstellung im Gaskessel

«Sag’s doch schnell per Baggerzahn» heisst die Ausstellung von Giorgio Andreoli, Janosch Gazdag und Nicole Stolz, die zur Zeit im Berner Jugend- und Kulturzentrum Gaskessel gezeigt wird und die Zerstörung des Mattenhof-Quartiers zum Thema hat. Von der ersten grossen Spekulationswelle, die dem Quartier zwischen 1890 und 1918 486 neue Häuser brachte, bis zu den Abbruchwellen, die seit 1970 das Quartier Teil um Teil flachlegen, dokumentiert die Ausstellung ein Stück Berner Stadtentwicklung. Neben eindrücklichen Fotos, Installationen und zwei Endlos-Kurzfilmen informieren Kurztexte über Mietwesen, Bodenpreise und Spekulation: Im Mattenhofquartier sind mit spekulativen Quadratmeterpreisen bis zu 3000.- in den letzten Jahren das Frauenhaus, das Punkhaus, das ZAFF niedergewalzt und viele alte QuartierbewohnerInnen heimatlos gemacht und vertrieben worden.

 

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Bei Verfolgung, Repression: Nottelefon 031 25 16 11 (14 bis 22 Uhr)

Für aktuelle Informationen: Telefonzytig 031 22 45 92

Für wichtige Mitteilungen, Beobachtungen, Termine, welche an die Öffentlichkeit sollen: WoZ-Redaktionsstelle Bern 45 70 80 oder 45 19 00

An VVs: Keine Namen nennen! Kein Aufruf zu sogenannt illegalen Aktionen! Gewaltvolle und gewaltlose Gespräche nur in kleinen Gruppen: Spitzel gibt es überall!

Bei Festnahmen: Aussageverweigerung!