Das erste Wort des AdS

Im Landhaussaal von Solothurn haben am Sonntag rund hundert Autorinnen und Autoren an der ersten Generalversammlung des Verbandes Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) teilgenommen. Dabei ging es vorab um die Wahl der seit dem 1. Januar provisorisch amtierenden Verbandsführung: Zur ersten AdS-Präsidentin gewählt wurde die bisherige Kosekretärin der Gruppe Olten, Theres Roth-Hunkeler; zum ersten AdS-Sekretär der bisherige SSV-Sekretär Peter A. Schmid. Der erste Vorstand setzt sich zusammen aus Silvia Ricci Lempen (Vizepräsidentin, französischsprachige Schweiz), Arnaldo Alberti (italienischsprachige Schweiz), Eugène Meiltz (französischsprachige Schweiz), Guy Krneta (DramatikerInnen, deutschsprachige Schweiz), Dragica Rajcic (5. Literatur, deutschsprachige Schweiz) sowie Claudia Storz (deutschsprachige Schweiz).

Der AdS ist aus der Gruppe Olten (GO) und dem Schweizerischen Schriftsteller-Verband (SSV) hervorgegangen. Während diese zuletzt zusammen 920 Mitglieder zählten, hat der AdS zurzeit deren 793, und zwar 480 aus dem SSV und 294 aus der GO. Dazu kommen 19 Neueintritte. Gut siebzig Prozent, nämlich 557 der Mitglieder stammen aus der deutschen Schweiz, 181 aus der Romandie, 43 aus dem Tessin und 12 aus der rätoromanischen Schweiz.

In ihrer programmatischen Rede sagte Roth-Hunkeler als neugewählte Präsidentin, der AdS müsse sich «als moderne, berufsständische, gewerkschaftliche Organisation profilieren, die sich als Interessenvertretung der Literaturschaffenden der Schweiz versteht und nicht bloss als Freundschaftsverein». Er habe zudem die Pflicht, «sich in kultur- und gesellschaftspolitische Debatten einzumischen», «ohne Pathos die Literatur und ihren Platz in der Gesellschaft» zu verteidigen und sich «deutlich vernehmbar für Gerechtigkeit, Solidarität und Demokratie» einzusetzen.

Was damit gemeint sein kann, demonstrierte die Versammlung anschliessend: Mit starkem Applaus verabschiedete sie statt einer politisch korrekt formulierten Irak-Antikriegsresolution einen Offenen Brief an Bundespräsident François Couchepin. Darin hielten die beiden demissionierenden Kopräsidenten des AdS, Daniel de Roulet und Eugène Meiltz fest, die Parabolantennen-Anlage bei Leukerbad, die die Swisscom im Herbst 2000 an die amerikanische Verestar verkauft hat, dienten den USA in diesen Tagen zur Übermittlung militärischer Kommunikation – obschon der Bundesrat seinerzeit beteuert habe, er werde nach dem Verkauf nicht tolerieren, dass die Anlage für klassifizierte Daten zweckentfremdet werde. Von Couchepin fordert der AdS: «Faites taire sans tarder ces relais guerriers.» Bringen Sie diese Antennen, die dem Krieg dienen, unverzüglich zum Schweigen.

Sogar wenn diese Information stimme, sagt Bernhard Bürki, Pressesprecher des Bundesamts für Kommunikation, wäre das «neutralitätsrechtlich unproblematisch» und das Abhören und allfällige Abschalten der Anlage deshalb juristisch nicht möglich. Falls Couchepin den Offenen Brief des AdS beantwortet, wird er als neuer Kulturminister dem neuen Verband der AutorInnen deshalb voraussichtlich erklären, dass in diesem Fall internationale Rechtlichkeit ein höheres Gut sei als ethisch verantwortetes Handeln.

Aber der AdS hat in seiner ersten Verlautbarung gegen die «Handelsfreiheit» das «Leben tausender unschuldiger ZivilistInnen» gestellt. Im Zweifelsfall für die Opfer: Darauf lässt sich bauen.

In der WoZ erschien der Beitrag als «kultursatz zur woche» unter dem Titel «Offener Brief».