Journal B, 23. 1. + 24. 1. 2017

Der Schiffsarzt der Rainbow Warrior

 

Zu den Journal B-Versionen von Teil 1 + Teil 2.

 

1.

Am 10. Juli 1985 sprengte der französische Geheimdienst in Neuseeland ein Greenpeace-Schiff in die Luft. Über den Jahreswechsel trafen sich die Überlebenden der damaligen Crew. Mit dabei: der Berner Arzt Andy Biedermann.

Der Arzt Andreas Biedermann ist Gründer und Co-Inhaber der Firma Public Health Services an der Sulgeneckstrasse 35 in Bern. Obschon er als Arzt nicht praktiziert, ist er als solcher bereits in die Zeitgeschichte eingegangen: Er war der Schiffsarzt auf dem Greenpeace-Schiff Rainbow Worrior, das am 10. Juli 1985 im Hafen von Auckland in Neuseeland vom französischen Geheimdienst gesprengt und versenkt wurde, bevor es zur Protestfahrt gegen französischen Atomversuche im Mururoa-Atoll auslaufen konnte.

Über den Jahreswechsel war Biedermann nun wieder in Auckland, weil Crewmitglieder zu einem Treffen eingeladen hatten. Im Sitzungsraum seiner auf Gesundheitsförderungs- und Präventionsprojekte spezialisierten Firma erzählt er von diesem Treffen; davon, wie er bei Greenpeace Schiffsarzt wurde; davon, was an jenem 10. Juli 1985 passiert und wie es für ihn danach weitergegangen ist.

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«Vor dem 10. Juli 2015 gab es die Idee, dass sich die Crew zum dreissigsten Jahrestag der Versenkung der Rainbow Warrior wieder treffen sollte. Weil Greenpeace International auf dieses Datum hin plante, öffentlich an die Geschichte zu erinnern, diskutierte man darüber, ob ein Treffen der Crew mit einem politischen Statement verbunden werden sollte. Diese Idee wurde zwar verworfen, aber die andere des Treffens wurde weiterverfolgt – auch im Wissen darum, dass wir alle älter werden und einige von uns gesundheitlich angeschlagen sind: Wir hatten Lust, wieder einmal oder noch einmal für einander Zeit zu haben. Das Treffen sollte über den Jahreswechsel 2016/17 in Auckland stattfinden, ohne Öffentlichkeitsarbeit und politisches Statement, quasi als private Zusammenkunft der Rainbow Warrior-Veteranen und -Veteraninnen.

Die Crew umfasst rund ein Dutzend Leute. Der Fotograf kam beim Anschlag ums Leben; der Funker, ein US-Amerikaner, mochte nicht anreisen. Die anderen waren da – auch jener Aktivist von Greenpeace International, der damals zwar nicht ständig auf dem Schiff war, aber die Aktion inhaltlich gesteuert hat.

Getroffen haben wir uns im Awaawaroa Bay EcoVillage auf der Auckland vorgelagerten Insel Waiheke. Dieses Dorf wurde unter anderem von drei Crew-Mitgliedern der Rainbow Warrior gegründet, ein viertes Mitglied lebt auf jener Insel, ohne im Dorf mitzumachen, und ein fünftes lebt auf der Hauptinsel von Neuseeland. Darum war klar, wo wir uns treffen wollten. Die Leute im Dorf nahmen uns in ihren Wohnhäusern auf, das Gemeinschaftshaus durften wir für das Treffen nutzen.

Unser erster Abend am 3. Januar 2017 war ausschliesslich für die Crew reserviert. Reihum erzählten wir uns, was nach unserer Trennung im Herbst 1985 aus uns geworden ist. Die damalige Köchin zum Beispiel – auch sie aus der Schweiz – lebt heute mit ihrem Mann, den sie später auf einem anderen Greenpeace-Schiff kennengelernt hat, in England – er arbeitet als Poststellenleiter, sie hat einen kleinen Laden. Eine der damaligen Matrosinnen ist heute Co-Chefin von Greenpeace International; eine andere in Irland für die Grüne Partei Senatorin, was in der Schweiz ungefähr einer Ständerätin entsprechen würde. Ein Crewmitglied ist unterdessen schwer an Krebs erkrankt. Der damalige Kapitän,Peter Willcox, ist bis heute für Greenpeace aktiv. 2013 steuerte er jenes Schiff, das von den russischen Behörden geentert wurde, als es gegen Gazprom-Ölbohrungen in der Arktis protestieren wollte. Und was mich betrifft: Ich war zwar der Schiffarzt für alle Fälle, arbeitete aber als einer, der von Schifffahrt nicht viel verstand, meist auf unterster Hierarchiestufe als Matrose.

Es war ein spannender und zum Teil sehr berührender Abend, und wir haben uns versprochen, mit dem nächsten Treffen nicht noch einmal dreissig Jahre zuzuwarten. Andererseits ist uns natürlich auch klar, wie ökologisch fragwürdig es ist, wenn wir für ein solches Treffen aus Deutschland, Holland, Irland, England, aus den USA und aus der Schweiz nach Neuseeland fliegen.

An einem nächsten Abend gab es dann ein grosses Fest, für das neben den Leuten aus dem Dorf auch alle möglichen Akteure von damals eingeladen wurden. Schliesslich unternahmen wir gemeinsam einen Turn auf einem Segelschiff, das eines der damaligen Crewmitglieder selber gebaut hat.»

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«Wie ich auf die Rainbow Warrior gekommen bin? – Ich habe in Lausanne und Basel Medizin studiert und das Studium Anfang 1983 abgeschlossen. Kurz zuvor machte ich mit meiner Familie eine Reise nach Amsterdam. Weil ich gelesen hatte, dass es dort eine Organisation namens ‘Greenpeace’ gebe, die interessante Sachen mache, suchte ich das Büro der Organisation auf und fragte, ob sie einen wie mich brauchen könnten. Für alle Fälle hinterlegte ich meine Adresse.

Im Frühling 1983 erholte ich mich mit einer Gruppe von Mitstudenten und -studentinnen in Wengen von den Abschlussprüfungen, als eines Abends der benachbarte Bauer vorbeikam und fragte, ob von uns jemand Biedermann heisse. Als ich bejahte, sagte er, ich solle eine Nummer in Amsterdam anrufen, die er notiert hatte. Es war Greenpeace: Für eine Aktion suche man dringend einen Arzt, ich solle innert drei Tagen mit medizinischem Material ausgerüstet in Amsterdam sein. Weil mein Vater Arzt war, konnte ich mir das Material rechtzeitig beschaffen. So fuhr ich hin.

Die ersten Aktionen, die ich danach mitmachte, unternahmen wir mit dem Schiff «Sirius»: Wir waren in Norwegen; wir protestierten in der irischen See vor Sellafield, wo man auch schweizerischen Atommüll aufbereitete; wir machten Aktionen in der Baie de Seine in der Normandie, wo chemische Abfälle versenkt wurden. So lernte ich Greenpeace kennen und sie mich. Jede Aktion dauerte etwa einen Monat, und meistens ging ich mit, wenn ich gefragt wurde. Zum Geldverdienen machte ich dazwischen Stellvertretungen als Arzt.

Ende 1983 bekam ich in Amsterdam mit, dass sich in Zürich eine Gruppe von Leuten zusammentat, um Greenpeace Schweiz aufzubauen. Von nun an arbeitete ich dort mit, wenn ich nicht einen Einsatz hatte. Ende 1984 kam die Anfrage, ob ich eine geplante Greenpeace-Schiffsreise im Pazifik mitmachen wolle. Der Pazifik war für uns damals zum Beispiel interessant, weil dort die Franzosen zuerst atmosphärische und später unterirdische Atombombentests machten. Die Amerikaner hatten solche Tests bereits früher gemacht, und es gab Meldungen von verstrahlten Atollen und betroffenen Menschen. Dazu kam das Atommüllproblem: So wie man in Europa Atommüll im Atlantik versenkte, versenkte man vor Japan Atommüll im Pazifik.

So flog ich nach Florida. Dort wurde die «Rainbow Warrior» – ein schottischer Trawler, also ein Fischerboot – in einem Trockendock zum Segel-Motorschiff umgebaut. Unsere erste grössere Aktion fand dann im Rongelap-Atoll auf den Marshall-Inseln westlich von Hawaii statt. Diese Inseln liegen nahe am Bikini-Atoll, in dem die Amerikaner ihre atmosphärischen Atombombentests gemacht hatten. Die Leute, die wir trafen, beschrieben den radioaktiven, ascheartigen Fallout der Tests als Schnee, der jeweils bis zu mehreren Zentimetern hoch auf der ganzen Insel gelegen habe. Sie klagten über gesundheitliche Probleme, und die Frauen hatten seither vermehrt Fehlgeburten und gebaren Kinder mit Missbildungen. Darum wollten sie weg.

Wir haben diese rund zweihundert Leute mit unserem Schiff in mehreren Fahrten samt Hab und Gut und Tieren in das Kwajalein-Atoll evakuiert. Eindrücklich für mich war: Im Rongelap-Atoll lebten die Leute in einer paradiesischen Welt mit funktionierender Community, die neue Insel war zwar nicht radioaktiv verseucht, aber auch nicht vergleichbar mit der alten. Von nun an lebten diese Leute relativ nahe an einer US-amerikanischen Teststation für Interkontinentalraketen und von Majuro, der einzigen Stadt der Marshall-Inseln, die ziemlich slum-ähnlich aussah. Ich stand dieser Aktion darum mit einer gewissen Ambivalenz gegenüber. Aber die Leute wünschten sich die Evakuation aus verständlichen Gründen.

Danach besuchten wir verschiedene weitere Inseln, um mit deren Regierungsverantwortlichen zu sprechen. Es ging darum, sie zu ermuntern, in den internationalen Gremien ihr Stimmrecht aktiver wahrzunehmen. Wir leisteten dort Motivations- und zum Teil konkrete Unterstützungsarbeit.

Danach steuerten wir Neuseeland an. Wir wollten uns dort auf den Trip zum französischen Atomwaffentestgelände im Mururoa-Atoll vorbereiten. Zwar hatte es gegen diese Atomversuche schon zuvor verschiedentlich Protestaktionen gegeben. Aber nie eine mit einem derart grossen und gut ausgerüsteten Schiff. Wir hatten die Hoffnung, die Weltöffentlichkeit ein Stück weit alarmieren zu können. Entsprechend kündigte Greenpeace den Trip öffentlich an.

So legten wir im Hafen von Auckland am Marsden Wharf Quay an. Während wir am Abend des 10. Juli 1985 in der Messe des Schiffs den Geburtstag eines Crewmitglieds feierten, befestigten Taucher des französischen Geheimdiensts zwei Haftminen an der Bordwand der Rainbow Warrior, die eine auf der Höhe des Maschinenraums, die zweite hinten am Heck. Gegen Mitternacht ging ich in meine Kajüte, um noch ein bisschen zu lesen. Dann gab es diesen fürchterlichen Knall.»

 

2.

Am 10. Juli 1985, exakt um 23.48 Uhr, beginnt die Rainbow Warrior im Hafen von Auckland nach einer Explosion zu sinken. Der Berner Arzt Andy Biedermann erzählt von dieser Nacht und wie es danach für ihn weitergegangen ist.

«Ich lag in meiner Kajüte und las, als es knallte. Einige sassen noch in der Messe zusammen, andere waren schon schlafen gegangen. Sofort war das Licht weg und das Schiff begann sich schnell spürbar zur Seite zu neigen. Ich tastete mich vor die Kajüte in den zentralen Gang, wo schon andere standen, der Kapitän kam dazu und rief: «Alle Mann von Bord!» Wir gingen den Zentralgang nach hinten, um über den hinteren Ausgang zur Gangway zu kommen, über die wir das Schiff verlassen wollten. Zwei, die oben gewesen waren, sprangen nach dem Ruf des Kapitäns über Bord.

Zuhinterst im Gang führte eine Treppe einen Stock tiefer. Dort unten hatte es ebenfalls Kojen. Eben kam die etwas ältere, sehbehinderte Ersatzköchin herauf, die unten bereits geschlafen hatte. Ich nahm sie am Arm, um sie von Bord zu führen. In diesem Moment kam Fernando, drängte sich an uns vorbei und verschwand auf der Treppe nach unten. Fernando Pereira war unser Fotograf, in Portugal Vater von zwei Kindern, der unsere Pazifikreise begleitete. Er war Vollblutfotograf und wollte in diesem Moment offenbar unbedingt sein Arbeitsmaterial retten.

Während er nach unten verschwand, kamen wir auf Deck. Obschon das Schiff unterdessen bedrohlich schräg im Wasser lag, gelang es uns, über die Gangway auf den Kay hinüberzuklettern. In diesem Moment explodierte die zweite Bombe, und zwar auf der Höhe der Kajüte, in der Fernando vermutlich eben nach seinem Material tastete. Die spätere Obduktion ergab, dass er ertrank, äussere Verletzungen gab es kaum. Vermutlich verlor er das Bewusstsein, als er durch die Wucht der Explosion weggeschleudert wurde.

Während das Schiff weiter sank, herrschte auf dem Kay Chaos. Erst Minuten später wurde uns klar, dass zwei Personen fehlten. Die zweite kam später von einem Abendspaziergang zurück. Aber Fernando hatte ich ja selber nach unten gehen sehen. Ihn ohne Taucherausrüstung suchen zu gehen, war unmöglich. Abgesehen davon wussten wir nicht, ob noch eine dritte Mine explodieren würde. So standen wir auf dem Kay und wussten: Da unten passiert jetzt etwas ganz Schlimmes, und wir können nichts machen.

Nur dank eines Fehlers der französischen Agenten ist der Anschlag zur Geschichte geworden, von der man bis heute spricht. Neuseeland hatte damals eine sozialistische Regierung, die sich für Umweltschutz und Atomwaffenfreiheit stark engagierte. Darum wurde jeder verfügbare Polizist eingesetzt, um diesen Anschlag aufzuklären. Die Medien riefen die Bevölkerung auf, Sachdienliches zu melden. Offenbar gab es tausende von Meldungen. Die Beobachtung eines Farmers oben im Norden war schliesslich entscheidend. Er hatte sich die Nummer eines verdächtigen Autos notiert und sie gemeldet. Die Überprüfung ergab, dass es sich um einen Mietwagen handelte. Die Firma, die das Auto vermietet hatte, wurde von der Polizei gebeten, sofort zu melden, wenn das Auto zurückgebracht würde und die Leute bis zu ihrem Eintreffen irgendwie aufzuhalten. Dank der Cleverness der Autovermieterin gelang das einige Wochen später tatsächlich: Das vermeintliche schweizerische Ehepaar erwies sich bei der Personenkontrolle als eines der drei am Anschlag beteiligten Zweierteams des französischen Geheimdienstes.»

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«Schon bevor die Rainbow Warrior in Auckland einlief war abgemacht, dass das Schiff bei seiner Protestaktion im Mururoa-Atoll von einer Segelschiff-Flotille begleitet werden sollte. Diese zehn- bis fünfzehn Meter langen Segelschiffe waren startklar, als der Anschlag passierte. Die Besatzungen haben danach beschlossen, ihre Aktion trotzdem zu machen – halt ohne grosses Mutterschiff. Bis ungefähr 1995 gab es immer wieder solche Protestaktionen. Mit der Zeit machte auch die Rainbow Warrior IImit, die mit jenem Geld gekauft werden konnte, die Frankreich nach der Verurteilung vor dem Internationalen Gerichtshof als Busse bezahlen musste.

Für mich ging es anders weiter. Über die Versenkung der Rainbow Warrior wurde in Neuseeland in allen Medien berichtet, unter anderem wurde auch ich als Schiffsarzt erwähnt. Noch am gleichen Tag meldete sich das «Auckland Hospital Board» – die administrative Verwaltung der dortigen Spitäler – beim örtlichen Greenpeace-Büro und fragte, ob dieser Schiffsarzt allenfalls einen neuen Job suche. Ich behielt das Angebot im Kopf. Vorerst wollten wir aber als Crew einige Zeit zusammenbleiben, um die Geschichte verarbeiten zu können. Uns wurde ein Haus zur Verfügung gestellt, in dem wir als Wohngemeinschaft gratis leben durften. Bald hätten wir dort einen Kleiderladen oder ein Comestible-Geschäft eröffnen können, so reich wurden wird von der hilfsbereiten neuseeländischen Bevölkerung beschenkt. Im ganzen Land wurde der Anschlag als extremer Affront verstanden. Ganz Neuseeland stand hinter Greenpeace. Atomwaffenfreies Gebiet zu bleiben, gewann im Land an Bedeutung. Das führte für viele Jahre dazu, dass auch US-amerikanische Schiffe, die nicht preisgeben wollten, ob sie atomwaffenbestückt seien oder nicht, Neuseeland nicht anlaufen durften.

Nach den Wochen in der Wohngemeinschaft ging ich nach Genf, weil ich dort vor der Pazifikreise einen dreimonatigen Einsatz als Arzt in einem Geriatriezentrum abgemacht hatte. Auf Januar 1986 kehrte ich dann aber tatsächlich nach Neuseeland zurück und arbeitete für drei Jahre als Spitalarzt in Auckland. In dieser Zeit war ich während zweier Urlaube für Greenpeace in Französisch-Polynesien unterwegs. Das eine Mal habe ich für eine Publikation Interviews geführt mit Leuten, die vom Atombomben-Testprogramm betroffen waren. Auf der zweiten Reise flog ich nach dem von Frankreich verwalteten Tahiti und reiste nach Mangareva weiter, der Hauptinsel der Gambier-Gruppe. Die Inseln dieser Gruppe sind die nächstgelegenen bewohnten beim Mururoa-Atoll. Dort sammelte ich pflanzliche und tierische Proben zur Untersuchung auf Radioaktivität. Diese Aktion war nötig, weil sich Frankreich weigerte, irgendwelche Zahlen zu veröffentlichen.

Zeitgleich mit meinem Aufenthalt auf dieser entlegenen Insel traf von Neuseeland her ein Segelschiff ein, sodass ich die gesammelten Proben der Schiffscrew übergeben konnte, bevor ich nach Tahiti zurückreiste. Als ich von dort nach Neuseeland zurückfliegen wollte, wurde ich am Flughafen gefilzt. Gefunden hat man nichts, aber man hat mir den Stempel «Persona non grata» in den Pass gedrückt, bevor man mich nach Neuseeland ausschaffte. Die gesammelten Proben waren unterdessen an ein spezialisiertes Labor nach Deutschland geschickt worden, das tatsächlich erhöhte Radioaktivität feststellte. Allerdings war das Anfang 1987 wenige Monate nach der Katastrophe von Tschernobyl. Damals stellte man solche Werte sogar in Pilzen im Tessin fest. Darum haben unsere Proben niemanden mehr interessiert.

Als man die Rainbow Warrior im Hafen von Auckland geborgen hatte, stellte man fest, dass sie nicht mehr zu reparieren war, weil die zweite Mine die Stahlkonstruktion des Rumpfs verbogen hatte. Ein neuseeländischer Politiker hat dann angeboten, dass man das Schiff in der Matauri-Bay versenken könne, damit das Wrack zum Lebensraum für Meerespflanzen und -tiere werde. Weil auch die lokalen indigenen Maori-Gruppen mit der Aktion einverstanden waren, erhielt die «Rainbow Warrior» schliesslich in der Matauri-Bay ein Maori-Schiffsbegräbnis.

Auf dem Festland über dieser Bay gibt es einen kleinen Hügel von vielleicht siebzig Höhenmetern, ein wirklich wunderschöner Ort. Dort oben wurde, von Greenpeace mit französischem Geld mitfinanziert, ein Denkmal errichtet. Das «Rainbow Warrior Memorial» ist ein mit grossen Steinen gefügter torartiger Bogen, darin eingebaut ist die Schiffsschraube.

Auch dadurch, dass die französische Regierung weltweit an den Pranger gestellt werden konnte, hat Frankreich seine Tests relativ rasch nach 1985 eingestellt. Allerdings ist es auch so: Dank neuer Technologien gab es bald andere Möglichkeiten, Atombomben-Funktionstests zu machen.»